Erster Dreier – und der Heimnimbus bleibt!

14.11.2013
Ines Bathen (l.) und Linda Dörendahl feiern das 3:0 gegen die Roten Raben. Foto: Stefan Gertheinrich

Die Seelenzustände am Mittwochabend im Volleydome zu Münster waren bei den Gastgebern ziemlich breit gefächert: Von purem Jubel über Begeisterung bis hin zu ehrlichem Staunen – das hatte das glatte 3:0 (25:22, 25:23, 25:19) des USC Münster gegen die als Spitzenreiter angereisten Roten Raben aus Vilsbiburg beim Team, Klubführung und den 1209 heimischen Fans hervorgerufen.

Dabei waren sie im Umfeld vor der Partie gegen den Primus nach den Tiebreaksiegen gegen Thüringen und Stuttgart, sowie zuletzt dem Punktgewinn nach starkem Auftritt beim neuen Tabellenführer Dresdner SC, ziemlich optimistisch geworden, was das Match gegen die Niederbayern anging. Nicht wenige hatten den USC vor der Begegnung wieder einmal mit 3:2 vorne gesehen. Doch eigentlich herrschte trotz des Rückenwindes eine klare Außenseiterstellung vor dem Anpfiff. Und dass die Unabhängigen den Top-Klub aus dem Süden mit einem 3:0 auf die Heimreise schicken würden, das hatten in der Tat nur die wenigsten Optimisten erwartet.

Doch genau so endete der Vergleich, eine Überraschung ist das 3:0 gewiss, wenngleich auch USC-Trainer Axel Büring unmittelbar nach dem Spiel klarstellte: „Wir wollen das jetzt mal relativieren: Vilsbiburg ist hier erheblich ersatzgeschwächt angetreten.“ Und vor allem das Fehlen der beiden US-amerikanischen Nationalspielerinnen Tamari Miyashiro (Libera) und Jenna Hagglund (Zuspiel) machte sich in der Gäste-Truppe von Jorge Munari dann doch bemerkbar.

Allerdings auch nur, weil der USC von der ersten Sekunde an voll konzentriert und motiviert zur Sache ging. Anfangs noch etwas zu motiviert, da stand es im ersten Satz nach wenigen Minuten schon 6:1 für die Niederbayern. Doch mit zunehmender Spieldauer fand die Startformation des USC mit Regisseurin Tess von Piekartz, den Blockern Leonie Schwertmann und Ashley Benson, sowie den Angreiferinnen Sarah Petrausch, Nadja Schaus und Ines Bathen (plus Libera Linda Dörendahl) immer mehr Sicherheit in ihren Aktionen und damit auch in den eigenen Rhythmus. Nach kurzem Zwischenspurt war der USC auf 7:9 dran, doch die richtige Trendwende kam dann auch punktmäßig erst nach dem 7:12. Bei 13:14 sah sich Munari zur ersten Auszeit gezwungen, bei 20:19 hatten die Gastgeberinnen dann erstmals die Nase vorn. Schließlich war es Schwertmann, die mit ihrem Punkt zum 25:22 nach 25 Minuten den ersten Set für die Unabhängigen in trockene Tücher brachte.

Eine Eintagsfliege war das nicht, das sollte sich im zweiten Durchgang herausstellen. Allerdings musste Büring schon früh korrigieren: Neuzugang Nadja Schaus hatte am Mittwoch nicht ihren besten Tag erwischt, für die just 29 Jahre alt gewordene Nationalspielerin brachte der USC-Coach die erst 17-jährige Wiebke Silge, und die fügte sich glänzend ins Ensemble ein. Was Vilsbiburg auch anstellte – der USC fand irgendwie immer wieder die richtige Antwort oder einen neuen Weg. Ein Mal riss kurz der Faden und die Gäste nahmen ein 16:13 mit in die zweite Technische Auszeit. Dann aber brachte Münster vier Mal in Folge den Ball in der Raben-Spielhälfte auf den Boden, und nun ging es Punkt um Punkt. Schwertmann schmetterte den USC zum Satzball, ein Vilsbiburger Aufschlagfehler besiegelte das 23:25 und damit das 0:2.

Auch der dritte Satz lief etwas wellenförmig, Nach einer Aufschlagserie von Silge erwischte der USC mit 5:1 des klar besseren Start und bei 8:3 schien die Vorentscheidung schon gefallen zu sein. Doch die Raben kamen nach 6:11 noch einmal auf, zwangen Büring innerhalb kürzester Frist zu zwei Auszeiten. Doch nach dem 13:13 hatten sich die Unabhängigen wieder im Griff, profitierten allerdings sicher auch von einigen leichteren Fehlern der Roten. Bei 22:18 war der Durchbruch endgültig geschafft. Bei 24:18 hatte der USC sechs Matchbälle. Doch schon beim zweiten versagte ausgerechnet der US-Amerikanerin Dominique Lamb – später zur wertvollsten Räbin gekürt -  die Nerven, und sie setzte ihren Service ins Netz. Der USC hatte den Raben die Flügel gestutzt, den Tabellenführer von der Spitze gestoßen. Und das mit einer qualitativ guten, zwischenzeitlich sogar sehr guten Leistung.

„Münster hat ein gutes Spiel gewonnen. Aber wir haben auch zu viele Fehler gemacht“, wertete hernach Munari schon etwas enttäuscht. Büring bewertete auch nach diesem Überraschungssieg die Leistung seiner Mannschaft und nicht das blanke 3:0-Ergebnis. „Wir haben heute nicht so gut gespielt wie am Samstag in Dresden. Aber trotzdem hat die Mannschaft das heute souverän gemacht“, frohlockte der 46-Jährige.

MVP USC Münster: Ashley Benson

Von: USC Münster