Linda Dörendahl: „Dann bin ich eine ganz normale Münsteranerin!“

21.03.2017
Immer voller Einsatz: Linda Dörendahl. Foto: Stefan Gertheinrich

Eine lange und erfolgreiche Karriere geht zu Ende – und damit auch eine Ära beim USC Münster: Wenn am Mittwochabend die Unabhängigen und Allianz MTV Stuttgart im Viertelfinal-Rückspiel um die Deutsche Meisterschaft die Klingen kreuzen, könnte das das letzte Spiel von Libera Linda Dörendahl sein.
 
Die 32-Jährige wird nach dem letzten Saisonspiel ihre aktive Laufbahn beenden. Noch ist für die Westfalen in der Meisterschaft alles drin, gerade nach der hauchdünnen Niederlage am Sonntag in der Schwaben-Metropole. Dennoch besteht die Möglichkeit eines Stuttgarter Sieges in Münster, was für den USC das Saisonende bedeuten würde.
 
Es ist eine Entscheidung von Dörendahl, die in den letzten Monaten gereift ist. Wer die Ex-Nationalspielerin kennt, weiß, dass das nicht einfach aus dem Bauch heraus geschah, sondern wohl überlegt. Dörendahl tritt ab auf höchstem Niveau und kann sagen, dass sie zu diesem Zeitpunkt ihren Zenit eben noch nicht überschritten hat. Ein Absprung, den viele Leistungssportler verpassen.
 
„Nach 14 Jahren als Volleyball-Profi ist es für mich an der Zeit Goodbye zu sagen. Ich habe alles erreicht und bin stolz auf das, was ich geschafft habe“, erklärt Linda. Die Abwehrspezialistin war A-Nationalspielerin, gewann zwei Mal die Deutsche Meisterschaft und zwei Mal den Deutschen Pokal, wurde mit dem USC zwei Mal Bronzemedaillensieger. „Mich hat es nie ins Ausland gezogen. Mir war es immer wichtig, dass ich mich bei einem Verein richtig wohlfühle“, gesteht die gebürtige Berlinerin. So ist Dörendahl auch alles andere als ein Wandervogel. Nach den Jugendjahren in der Hauptstadt (Marzahner SV, VC Preußen und beim Bundesstützpunkt VC Olympia) und einem Jahr im Schweriner Farm-Team vom VC Parchim, gelang Dörendahl – damals im Übrigen noch als Zuspielerin – der Sprung ins Erstligateam vom Schweriner SC, bei dem sie auch in sieben Jahren ihre vier nationalen Titel holte. Nach der einjährigen Zwischenstation beim VC Wiesbaden stieß Dörendahl dann 2010 zum USC und ist hier seither die unangefochtene Nummer Eins auf der Liberoposition und seit 2015 gemeinsam mit Leo Schwertmann Mannschaftskapitänin.
 
„Ich kann sagen, dass ich in Schwerin zur richtigen Sportlerin mit einer gesunden Balance geworden bin. In Münster dann bin ich in den letzten Jahren in meiner persönlichen Entwicklung noch einmal sehr gereift“, lässt die Ausnahmeathletin ihre Profistationen Revue passieren.  
 
Gereift ist auch Lindas Beziehung nicht nur zum Klub USC, sondern auch zur Stadt selbst. Klar ist, dass Dörendahl ihren Lebensmittelpunkt auch in Zukunft Münster sieht und haben wird. Und was passiert unmittelbar nach dem Saisonende, das ja auch für die Unabhängigen durchaus noch bis zum 3. Mai dauern kann? „Als erstes werde ich mir eine kleine Auszeit von allem gönnen und viel reisen. Mich treiben lassen. Es auskosten, dass ich selbst bestimmen kann, wann ich wie an welchem Ort sein kann“, schwingt neben Wehmut auch schon ein bisschen Vorfreude in Lindas Stimme mit. „Und danach werde ich arbeiten, eine ganz normale Münsteranerin sein. Hier habe ich meine Heimat gefunden!“