Vollmer: „Sind jetzt alle sehr geknickt!“

15.02.2017
Die starke Jenny Keddy (l.) und Ines Bathen stellen sich Köpenicks Marie Holstein in den Weg. Foto: Daniel Wesseling

Das hatten sich am Mittwochabend alle Beteiligten mit münsterschem Hintergrund anders vorgestellt: In der Verlängerung des Tiebreaks unterlag der USC dem Liga-Neunten Köpenicker SC Berlin mit 2:3 (25:21, 25:27, 23:25, 25:17, 15:17).
 
Trainer Andreas Vollmer konnte seine Gefühlslage unmittelbar nach dem Ende der Partie auch nicht verbergen. „Wir sind jetzt alle sehr geknickt“, gestand der 50-Jährige nach der Nervenschlacht, in der die favorisierten Gastgeberinnen genau in den kritischen Phasen in dieser Beziehung die Stärke fehlte.
 
Dabei war es im ersten Durchgang – zumindest nach hinten raus – noch einigermaßen nach Fahrplan gegangen. Der USC, für den Alanko, Langgemach, Keddy, Orthmann, Bathen und Wilson starteten, suchte zwar auch hier schon eine ganze Zeit nach seiner Linie. Als Münster mit 14:18 ins Hintertreffen geraten war, nahm Vollmer seine zweite Auszeit – und brachte Sina Fuchs für Hanna Orthmann, später, bei 17:19, dann auch noch Leonie Schwertmann für Jule Langgemach. Damit lag er richtig, denn eine Serie von 9:1 Punkten bescherte dem USC bald den Satzball. Ein Aufschlagfehler von Köpenicks Annalena Grätz ließ die Westfalen nach Sätzen in Front gehen.
 
Doch während die wacker kämpfenden und unglaubliche Bälle aus dem Feld kratzenden Berlinerinnen fortan besser wurden – das alles allerdings auch auf überschaubarem Bundesliganiveau – lief bei den Unabhängigen nicht allzu viel zusammen. Münster lief der Musik und den Punkten hinterher, wobei der USC bei 19:19 wieder dran war. Vollmer brachte bei 20:20 im Zuspiel dann auch Kaisa Alanko, die fortan Britt Bongaerts in der Regie ersetzte. Nach einer langen Rallye schmetterte die überzeugende Jennifer Keddy die Kugel zum 24:23-Satzball ins KSC-Feld. Doch die Hauptstädter ließen nicht locker und holten sich den Satz – 1:1.
 
Der dritte Durchgang war fast eine Kopie des zweiten, mit dem Unterschied, dass Münster hier zwei Mal eine Führung aus der Hand gab. Wieder rangen beide Kontrahenten Punkt um Punkt, bei 23:24 blieb dann aber ein Aufschlag von Sina Fuchs an der Antenne hängen, und Köpenick führte.
 
Die Trotzreaktion der Westfälinnen folgte auf dem Fuße: Der USC bekam das Match langsam aber sicher immer besser in den Griff, zwang den KSC vermehrt zu Fehlern. Und so ging es über 5:2 und 12:7 auf 20:14. Spätestens da war der Set durch und Sina Fuchs beendete den Abschnitt trocken mit einem Smash zum 25:17.
 
Doch wer nun geglaubt hatte, dass der USC im Tiebreak an diesem vierten Satz anknüpfen würde und zumindest zwei der drei anvisierten Zähler in Münster behalten, sah sich getäuscht. Mit einem knappen 8:7-Vorsprung für den USC wurden die Seiten gewechselt, und wieder ging es Punkt um Punkt. Doch die Vollmer-Mannschaft kam einfach nicht an den Köpenickern vorbei. Und so nutzen die Berliner ihren dritten Matchball mit einem zugegebenermaßen großartigen Pritscher von Nele Iwohn in die sozusagen freie Ecke es Feldes – 15:17, das Match war verloren.
 
„Den ersten Satz haben wir noch gedreht, aber im zweiten und dritten kam von uns viel zu wenig“, analysierte hernach Vollmer, der sich besonders über den dritten Set seiner Schützlinge ärgerte: „Elf Angriffsfehler! Das ist unterirdisch, da haben wir dem KSC die halbe Arbeit abgenommen.“ Vollmer weiter: „Auch der Aufschlag hat uns heute etwas im Stich gelassen. Die einzige in unserem Team, die heute konstant geliefert hat, war Jenny Keddy“, schloss der Coach. Immerhin: Den Rückstand auf den Liga-Vierten SC Potsdam, der überraschen 0:3 daheim gegen Aachen unterlag, konnten die Unabhängigen am Mittwoch um einen Zähler auf fünf verkürzen. Es bleibt ein schwacher Trost.