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Lisa Thomsen - Überraschungsdebüt an der Seitenlinie

USC-Co-Trainerin Lisa Thomsen. Foto: Hubertus Huvermann
USC-Co-Trainerin Lisa Thomsen. Foto: Hubertus Huvermann

Lisa Thomsen musste am vergangenen Wochenende in Schwerin „ins kalte Wasser springen“. Chef-Coach Teun Buijs war kurzfristig erkrankt. Die Co-Trainerin musste übernehmen. Und so stand die 35-jährige Inhaberin der Trainer A-Lizenz völlig überraschend erstmals hauptverantwortlich an der Seitenlinie des Volleyballbundesligisten. Im Interview verrät sie, wie es für sie war.

Lisa, wie war es für Dich, erstmals in hauptverantwortlicher Trainerinnenrolle ein Bundesligaspiel zu coachen? 

Lisa Thomsen: „Wenn ich die ganzen Umstände drum herum mal ausblende, dann war es einfach ein tolles Gefühl. Es hat mir unfassbar viel Spaß gemacht.“


Erklär bitte kurz die äußeren Umstände.

Lisa Thomsen: „Nun ja, Teun kam kurzfristig mit starken Schmerzen ins Krankenhaus. Das war schon ein Schock für uns alle. Inzwischen wissen wir, dass es nichts Ernstes ist. Wir sind natürlich alle erleichtert und wünschen ihm gute Besserung und eine baldige Rückkehr in den Trainings- und Spielbetrieb. Aber der Schock saß schon tief. Dann fiel auch noch unsere Scouting-Technik aus. Das heißt, ich hatte während des ganzen Spiels keine Live-Daten. Heute coacht man schon stark anhand der Live-Daten. Man sieht dann zum Beispiel viel besser, welche gegnerische Spielerin Schwierigkeiten in der Annahme hat. Das ging in Schwerin nicht, das war wie früher, Offline-Coaching sozusagen.“


Was für ein Debüt… Hast Du denn trotzdem alle Erfahrungen in Dich aufgesogen? Was war anders als sonst, wenn Du Co-Trainerin bist? 

Lisa Thomsen: „Die Rolle ist ganz anders, man muss stärker das gesamte Spiel im Blick behalten. Als Co kümmere ich mich immer besonders um unser Sideout und unterstütze hier vor allem die Zuspielerinnen. Jetzt musste ich auf alles achten, natürlich auch beim Gegner. Das war eine tolle und starke Erfahrung. Und: Zum Glück durfte ich ja stehen. Als Co sitzt man immer. So konnte ich an der Seitenlinie auf und ab laufen und meinen Emotionen ein wenig Platz geben. Was auch ganz anders war: Man ist viel näher am Team, kann viel stärker Einfluss nehmen und besser kommunizieren.“


Ist es nach wie vor Dein Ziel, Cheftrainerin bei einem Bundesligaverein zu werden? 

Lisa Thomsen: „Ja, unbedingt. Diese Erfahrung hat mich darin nochmals bestärkt.“


Du hast jetzt auch einige Trainingseinheiten alleine verantwortet. Wie war das für Dich und das Team? 

Lisa Thomsen: „Es hat mir viel Spaß gemacht. Und auch  das Team hat mein Training toll angenommen und qualitativ sehr gut trainiert.“


Hast Du Deinen eigenen Stil oder eigene Spiel- und Übungsformen ins Training eingebracht, oder ist das so kurzfristig nicht möglich? 

Lisa Thomsen: „Natürlich. Ich bin ja Lisa Thomsen und nicht Teun Buijs. Da gibt es menschlich und fachlich natürlich Unterschiede. Ich plane das Training sehr akribisch, überlege mir methodisch und didaktisch genau, was ich machen will. Das machen von 10 Trainern 10 unterschiedlich. Wir haben am Montag mit der Videoanalyse begonnen und unsere Fehler aus dem Schwerin-Spiel identifiziert. Anschließend haben wir ganz konkret an diesen Schwachstellen gearbeitet. Ab Donnerstag geht es dann an die Vorbereitung auf den kommenden Gegner, Vilsbiburg.“ 


Kommt mit einer Frau als Chefin Deiner Meinung nach eine andere Stimmung, Tonalität oder Atmosphäre in die Halle? 

Lisa Thomsen: „Ich denke, das hat gar nicht unbedingt etwas mit dem Geschlecht zu tun. Ich bin halt Lisa Thomsen und Teun ist Teun. Wie gesagt, jeder Trainer ist da anders. Aber vielleicht ist es ja so, dass ich mich als Frau und Ex-Profi schon hier und da in die jeweilige Gemütsverfassung der Spielerinnen ein bisschen besser hineinversetzen kann als ein Mann.“ 


Als Frau machst Du gerade zusätzlich auch noch eine weiter neue Erfahrung. Wir verraten kein Geheimnis, denn Du und Deine Frau, ihr habt euer Glück bereits öffentlich in den sozialen Medien kundgetan. Du bist schwanger. Herzlichen Glückwunsch. Wann ist es denn soweit? 

Lisa Thomsen: „Danke! Der ausgerechnete Termin ist der 29. Januar.“


Wie lange kannst Du noch als Co. beim USC arbeiten, bevor Mutterschutz und anschließende Elternzeit beginnen?

Lisa Thomsen: „Mitte Dezember beginnt der Mutterschutz. Vorher werde ich noch ein paar Tage Resturlaub nehmen. Alles natürlich in enger Absprache mit dem Verein. Meine Frauenärztin sagt aber, dass alles okay ist und ich meinen Job weitermachen kann.“ 


Weißt Du schon, ob und wann Du nach der Geburt wieder einsteigen willst? 

Lisa Thomsen: „Ich gehe nach der Geburt erst einmal eine gewisse Zeit raus aus dem Job. Aber natürlich möchte ich anschließend weiter als Trainerin arbeiten. Die Gespräche mit dem Verein darüber, wie das konkret zeitlich ablaufen soll, müssen noch geführt werden. Ich persönlich fände es gut, zur Vorbereitung auf die Saison 2021/22 wieder von Anfang an dabei zu sein.“


Dann wünschen wir Dir auf jeden Fall alles Gute für die spannende Zeit, die vor Dir liegt.

Lisa Thomsen: „Danke!“

 
 

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